![]() | Prof. Dr. med. Braumann ist Professor für Sportmedizin an der Universität Hamburg. |
Warum ist Rudern ein guter Sport um fit zu bleiben?
Rudern ist eine hervorragende Ausdauerbelastung die gleichzeitig auch Kraftelemente enthält. Wir wissen, dass regelmäßige körperliche Aktivität vielfältige positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Übergewicht, Stoffwechselstörungen sowie die Entstehung von Blutgefäßveränderungen, die zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können, lassen sich durch ein Ausdauertraining verhindern. Bei vielen sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ wirkt Ausdauertraining nicht nur im Sinn einer Prävention, sondern kann diese Krankheitsbilder auch im Sinne einer echten Therapie ganz hervorragend beeinflussen.
Worin liegt der Vorteil im Vergleich zu anderen Ausdauersportarten?
Im Vergleich zu klassischen Ausdauersportarten wie Laufen und Radfahren, bei denen überwiegend nur relativ einseitige Belastungen der Beine erfolgen, stellt Rudern einen hervorragenden Reiz für nahezu alle Muskeln die Körpers dar. Es ist deshalb besonders geeignet für die Entwicklung einer guten Ausdauerleistungsfähigkeit in Verbindung mit einer allgemeinen Kräftigung des Körpers.
Was empfehlen Sie Einsteigern?
Einsteiger sollten zunächst das Rudern auf dem Indoorrower erlernen, dazu sollten Sie 1 oder 2 Stunden unter Anleitung eines kompetenten Trainers verbringen. Oder Sie besuchen einen der Ausbildungskurse von Concept2. Danach sollte mit einem langsamen moderaten Training begonnen werden. Idealerweise sollte vor Beginn eines solchen Trainings eine Ermittlung der individuell geeignetesten Herzfrequenzen durch eine leistungsdiagnostische Untersuchung erfolgen.
Kann man sich beim Rudern verletzen?
Das Verletzungsrisiko beim Rudern ist eher gering, auf dem Indoor Rower eigentlich kaum möglich. Bei sachgemäßer Bedienung sind auch Quetschungen durch den Rollsitz bzw. durch die Kette sehr unwahrscheinlich. Theoretisch möglich sind Muskelzerrungen bei hohen Bewegungsgeschwindigkeiten, die aber in der Regel beim Indoorrowing gar nicht vorkommen. Wie bei allen Ausdauersportarten ergibt sich die individuell richtige Intensität aus verschie-denen objektiven und subjektiven Möglichkeiten. Subjektive Einschätzungen sind über das Anstrengungsempfinden möglich. Ob dabei noch geredet werden kann und ob es gelingt, die Belastung über einen längeren Zeitraum durchzuhalten. Idealerweise sollte eine Einschätzung der richtigen Intensität über eine vorher durchgeführte leistungsdiagnostische Untersuchung erfolgen.
Woran erkenne ich, dass ich mit zu hoher Intensität rudere?
Eine zu hohe Intensität erkennt man daran, dass die Belastung nach relativ kurzer Zeit abgebrochen werden muss, wenn Sie nach 10 Minuten bereits nicht mehr können und die Belastung reduzieren müssen, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie mit einer zu ho-hen Belastung begonnen haben. Die richtige Intensität sollte über einen Zeitraum von 45 bis 60 Minuten problemlos durchgehalten werden können. Die Fitness sollte regelmäßig kontrolliert werden. Allein schon aus Gründen der gesund-heitlichen Sicherheit sollte eine umfangreiche sportmedizinische Untersuchung vor Beginn einer Trainingsperiode erfolgen, bei der neben einer Einschätzung des Gesundheitszu-standes auch die Fitness festgestellt und gleichzeitig eine entsprechende Vorgabe geeig-neter Belastungsintensitäten erfolgen kann. Darüber hinaus empfehlen sich Fitnesstests oder Wiederholungen solcher leistungsdiagnostischer Tests in bestimmten Abständen um den Erfolg einer Trainingsintervention zu überprüfen.
Müssen Frauen anders trainieren als Männer?
Grundsätzlich gelten die Empfehlungen der Trainingswissenschaft für Frauen und Männer in gleicher Weise. Einzelfälle müssten individuell festgelegt werden.
Kann ich bis ins hohe Alter rudern?
Rudern ist eine Sportart die bis ins sehr hohe Alter möglich ist. In nahezu allen Ruder-clubs gibt es Gruppen in denen sich teilweise hoch Betagte – manchmal sogar im Alter von über 80 noch regelmäßig ins Ruderboot setzen und die Sportart betreiben.